Die 29.ISfTeH - International Conference findet vom 11. - 13. November 2026 in Pfarrkirchen (Campus Rottach-Inn des Deggendorf Institute (ECRI; zusammen mit dessen DigiHealthDayS 2026) statt.

Digital Health

Die Corona-Pandemie hat sich als Bewährungsprobe für die Telemedizin erwiesen. Und als Bestätigung der Sicht derer, die Telemedizin seit einem, teilweise zwei Jahrzehnten mutig und tatkräftig umsetzen. Die International Society for Telemedicine & eHealth (ISfTeH) unterstreicht in aktuellen Stellungnahmen die Bedeutung der Telemedizin während der Pandemie: „Telemedicine takes centre stage during pandemic. Health care leaders from around the world are accelerating their use of telehealth tools, enabling hundreds of thousands of patients to benefit from streamlined scheduling und virtual consultations“.

„Der Digitalisierungsschub, den die Pandemie mit sich bringt, bringt auch die Telemedizin voran.“ So resümiert das aktuelle   ‚Swisscom Magazin‘   seinen Bericht zum digitalen Arztbesuch, in dem auch einer der Pioniere der Telemedizin, das Schweizer Telemedizin Center Medgate und seine App vorgestellt werden. Der link ist hier.

Die Association of American Medical Colleges (AAMC) stößt die Diskussion an: „What happens to telemedicine after Covid-19? Patients and providers worry they’ll lose the benefit of remote care“. Der link ist hier.

Da ist das Laboratory for Welfare Technology zuversichtlicher: „Due to the unprecedented Covid-19 pandemic, treating  patients  remotely  is no longer a matter of convenience. Remote treatment has  become a vital  necessity for digital health stakeholders, organizations and providers if they are to provide care that is safe and effective.“

Ein ständiger Diskurs und die wissenschaftliche Bewertung telemedizinischer Arbeit werden in der International Society for Telemedicine and eHealth geleistet, die 1993 in Norwegen gegründet wurde und inzwischen mehr als 100 ‘members by country’ in sieben verschiedenen ‘member groups’ umfaßt (Stand 2022 – 75th World Health Assembly). Die Society firmiert als  ‘NGO in official relations with WHO’.

Ebenfalls zunehmend ist die Zahl der Anbieter von Qualitätskontrollen telemedizinischer Tätigkeit. So können sich Digital-Health-Provider bei Unternehmen wie URAC aus Washington/USA um Akkredi-tierungen und Zertifizierungen bewerben. URAG Inc-Utilization Review Accreditation Commission.

Den Vorsitz der ISfTeH hat 2022 Dr. Michele Y. Griffith von Dr. Andy Fischer aus Basel übernommen, der ihn seit 2012 innehatte. „We thank Andy Fischer for his many years of leadership, engagement and support, and we look forward to continue working with him, as he continues to be an active ISfTeH member through his company Medgate und through the Swiss Association for Telemedicine & eHealth“ heisst es in einer diesbezüglichen Note der Gesellschaft. Dr.Griffith ist eine  Internistin aus North Carolina, USA mit über  30 Jahren Berufserfahrung und stellt sich hier vor.

Inzwischen beteiligt sich die Otto Group aus Deutschland mit einer Mehrheit an der Medgate Gruppe. Hier der link.

Honorierung: Inzwischen können EBM-Ziffern für Videokontakte abgerechnet werden. KBV und GKV-Spitzenverband haben sich auf eine Vergütung geeinigt. Diese wurde nach der anfänglichen GOP 01439 neu geregelt und erfolgt nun über die jeweilige Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale.

    • Ungeachtet aller Fortschritte verstummt keineswegs die Kritik am telemedizinischen Vorgehen; exemplarisch die jeweilige Lesart der Freien Ärzteschaft e.V. in ihren Pressemitteilungen.
    • In der Auseinandersetzung sind stets die bemerkenswerten Unterschiede zu berücksichtigen, die bei der Verwendung des Begriffes „Telemedizin“ in den europäischen Ländern gemacht werden: in Deutschland ist zu unterscheiden zwischen der „Patientenüberwachung“ und der seit dem Ärztetag in Erfurt (Mai 2018) freigegebenen „Fernbehandlung“, während in der Schweiz beispielsweise vor allem die tagtägliche telefonische Behandlung, einschließlich des Ausstellens von Rezepten und Arbeitszeugnissen, die Videokonsultation über Apps und das zunehmend genutzte kassengetragene Angebot der Second Medical Opinion (SMO) gemeint sind. Hier gehen seit nun seit weit über zwei Jahrzehnten im Alltag gut funktionierende Prozeduren Hand in Hand mit unermüdlichen Ergänzungen und Verbesserungen. Einen besonderen Schub erfuhr  dabei das Smart-Health-Modell der Schweizer Medgate-AG durch die seinerzeitige Inaugurierung des App-basierten Zuganges des Patienten zum Arzt.
    • Auch die SWICA bietet als Schweizer Krankenversicherer einen von telemedizinisch erfahrenen Ärzten entwickelten App-basierten Kontakt an, der einen digitalen Symptom-Check, resultierende individuelle Empfehlungen zum weiteren Vorgehen, ein Lexikon sowie eine Fachpersonensuche umfaßt.

    • App-basierte Angebote im Gesundheitsbereich nehmen zu: Das Deutsche Ärzteblatt thematisierte Haftungsfragen beim Einsatz von Gesundheits-Apps, benennt die noch fehlende rechtsgültige Verpflichtung für die App-Hersteller und  zu erwartende Regelverschärfungen bei der Einordnung von Risikoklassen für Gesundheits-Apps im Rahmen einer Medical Device Regulation an. Festgemacht wird dies am Beispiel der app-basierten Behandlung von Diabetes-Patienten. Auch diesbezüglich ist eine andere Schwerpunktsetzung beim Umgang mit Gesundheits-Apps in der Schweiz festzustellen:  hier übernahmen die Anwendungen rasch Terminanmeldung und -annahme noch am selben Tag sowie den direkten Kontakt zwischen Arzt und Patient per Bild und Ton. Weniger zuver-sichtlich die derzeitige Bilanz für sogenannte Diagnose-Apps: in der gleichen Ausgabe resümierte das Deutsche Ärzteblatt noch: „Wenig Evidenz“.
  • Das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) publiziert hier den Leitfaden  Digital Health Ecosystem for African countries. Ziel ist es, Bedarf, Voraussetzungen und Optionen für die  erfolgreiche und nachhaltige Implementierung digitaler Infrastrukturen und Dienstleistungen zur Verbesserung der Gesundheitssysteme afrikanischer Länder zu analysieren. In Auftrag gegeben wurde das Projekt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).
  • Auch die International SOS Foundation lanciert nun Handlungsempfehlungen für  telemedizinische Prozeduren unter dem Titel: Teleconsultation Services for the Mobile Workforce; Considerations & Guidelines for the Provision of Global Services in Compliance with Regulations & Best Practice Clinical Standards of Care.
  • Update 2026: Die Diskussion bleibt lebhaft. So fragte kürzlich die ISfTeH in ihrem newsletter nachdenklich, ob möglicherweise der gewaltige Schub für ‚telehealth‘ während der Covid-Pandemie gar durch aktuelle Debatten über ihre Rolle in der Zukunft wieder verspielt werden könnte.
  • „Could the uncertain future of telehealth leave patients in crisis?
  • The rapid growth of telehealth during COVID-19 transformed care delivery, connecting patients when distance or risk kept them apart. Now, as lawmakers debate its future, uncertainty threatens this crucial service for patients and physicians alike.