+++ Die internationale Konferenz der ISfTeH zum Thema "Digital Health beyond Covid-19: Lessons learned. Identify knowledge gaps and challenges for further research within digital health beyond the pandemic" findet am 29. und 30.August 2022 in Kopenhagen statt.Die Online-Anmeldung ist ab sofort möglich.+++

Digital Health

Das Corona-Virus SARS-CoV-2 hat sich als Bewährungsprobe für die Telemedizin erwiesen. Und als Bestätigung der Sicht derer, die Telemedizin seit einem, teilweise zwei Jahrzehnten mutig und tatkräftig umsetzen. Die International Society for Telemedicine & eHealth (ISfTeH) unterstreicht in aktuellen Stellungnahmen die Bedeutung der Telemedizin während der Corona-Pandemie: „Telemedicine takes centre stage during pandemic. Health care leaders from around the world are accelerating their use of telehealth tools, enabling hundreds of thousands of patients to benefit from streamlined scheduling und virtual consultations“.

„Der Digitalisierungsschub, den die Pandemie mit sich bringt, bringt auch die Telemedizin voran.“ So resümiert das aktuelle   ‚Swisscom Magazin‘   seinen Bericht zum digitalen Arztbesuch, in dem auch einer der Pioniere der Telemedizin, das Schweizer Telemedizin Center Medgate und seine App vorgestellt werden. Der link ist hier.

Die Association of American Medical Colleges (AAMC) stößt Ende 2021 die Diskussion an: „What happens to telemedicine after Covid-19? Patients and providers worry they’ll lose the benefit of remote care“. Der link ist hier.

Da ist das Laboratory for Welfare Technology  (siehe Konferenz – Ankündigung an der  Aalborg  Universität ebenfalls auf dieser Seite) zuversichtlicher: „Due to the unprecedented Covid-10 pandemic,  treating  patients  remotely  is no longer a matter of convenience.  Remote treatment has  become a vital  necessity for digital health stakeholders, organizations and providers if they are to provide care that is safe and effective.“

Ein ständiger Diskurs und die wissenschaftliche Bewertung telemedizinischer Arbeit werden in der International Society for Telemedicine and eHealth geleistet, die 1993 in Norwegen gegründet wurde und inzwischen über 100 ‘members by country’ in sieben verschiedenen ‘member groups’ umfaßt (Stand 2021). Die Society firmiert als  ‘NGO in official relations with WHO’.

Der Vorsitz der ISfTeH hat gewechselt: am 4. Februar 2022 übernahm Dr. Michele Y. Griffith das Amt von Dr. Andy Fischer aus Basel, der es seit 2012 innehatte. „We thank Andy Fischer for his many years of leadership, engagement and support, and we  look  forward to  continue working with him,  as he continues to be an active  ISfTeH member through his company Medgate und through the  Swiss  Association for  Telemedicine & eHealth“  heisst es in einer Note der  Gesellschaft  vom 4.2.2022.   Dr.Griffith ist eine  Internistin aus  North Carolina, USA mit über  30 Jahren Berufserfahrung und stellt sich hier vor.

UPDATE 10. März 2022: Otto Group aus Deutschland beteiligt sich mit einer Mehrheit an der Medgate Gruppe. Hier der link.

Honorierung: Inzwischen können EBM-Ziffern für Videokontakte abgerechnet werden. KBV und GKV-Spitzenverband haben sich auf eine Vergütung geeinigt. Diese wurde nach der anfänglichen GOP 01439 neu geregelt und erfolgt nun über die jeweilige Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale.

    • Ab dem 01.01.2018 haben alle Versicherten das Recht, notfallrelevante Informationen (Diagnosen, Medikation, Allergien, Unverträglichkeiten) auf ihre eGK eintragen zu lassen. Ärzte benötigen zum Anlegen, Auslesen und Ändern der Daten sowie für die elektronische Unterschrift einen elektronischen Arztausweis.
    • Ungeachtet aller Fortschritte verstummt keineswegs die Kritik am telemedizinischen Vorgehen; exemplarisch die jeweilige Lesart der Freien Ärzteschaft e.V. in ihren Pressemitteilungen.
    • In der Auseinandersetzung sind stets die bemerkenswerten Unterschiede zu berücksichtigen, die bei der Verwendung des Begriffes „Telemedizin“ in den europäischen Ländern gemacht werden: in Deutschland ist zu unterscheiden zwischen der „Patientenüberwachung“ und der seit dem Ärztetag in Erfurt (Mai 2018) freigegebenen „Fernbehandlung“, während in der Schweiz beispielsweise vor allem die tagtägliche telefonische Behandlung, einschließlich des Ausstellens von Rezepten und Arbeitszeugnissen, die Videokonsultation über Apps und das zunehmend genutzte kassengetragene Angebot der Second Medical Opinion (SMO) gemeint sind. Hier gehen seit nun zwei Jahrzehnten im Alltag gut funktionierende Prozeduren Hand in Hand mit unermüdlichen Ergänzungen und Verbesserungen. So lag zuletzt ein Schwerpunkt der Neuerungen beim App-basierten Zugang des Patienten zum Arzt, wie bei dem SmartHealth-Angebot der Medgate AG.
    • Seit Ende 2018 bietet auch die SWICA als erster Krankenversicherer in der Schweiz  unter der Bezeichnung „Benecura“ einen von telemedizinisch erfahrenen Ärzten entwickelten App-basierten Kontakt an, der einen digitalen Symptom-Check, resultierende individuelle Empfehlungen zum weiteren Vorgehen, ein Lexikon sowie eine Fachpersonensuche umfaßt.

    • App-basierte Angebote im Gesundheitsbereich nehmen zu: Das Deutsche Ärzteblatt diskutiert in seiner Ausgabe 12 vom 23. März 2018 Haftungsfragen beim Einsatz von Gesundheits-Apps, benennt die noch fehlende rechtsgültige Verpflichtung für die App-Hersteller und  zu erwartende Regelverschärfungen bei der Einordnung von Risikoklassen für Gesundheits-Apps im Rahmen einer Medical Device Regulation an. Festgemacht wird dies am Beispiel der app-basierten Behandlung von Diabetes-Patienten. Auch diesbezüglich ist eine andere Schwerpunktsetzung beim Umgang mit Gesundheits-Apps in der Schweiz festzustellen:  hier übernehmen die Anwendungen bereits im Alltag die Terminanmeldung und -annahme noch am selben Tag sowie  den direkten Kontakt zwischen Arzt und Patient per Bild und Ton. Weniger zuversichtlich die derzeitige Bilanz für sogenannte Diagnose-Apps: in der gleichen Ausgabe resümierte das Deutsche Ärzteblatt noch: „Wenig Evidenz“.
  • Das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) publiziert hier den Leitfaden  Digital Health Ecosystem for African countries. Ziel ist es, Bedarf, Voraussetzungen und Optionen für die  erfolgreiche und nachhaltige Implementierung digitaler Infrastrukturen und Dienstleistungen zur Verbesserung der Gesundheitssysteme afrikanischer Länder zu analysieren. In Auftrag gegeben wurde das Projekt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).
  • Auch die International SOS Foundation lanciert nun Handlungsempfehlungen für  telemedizinische Prozeduren unter dem Titel: Teleconsultation Services for the Mobile Workforce; Considerations & Guidelines for the Provision of Global Services in Compliance with Regulations & Best Practice Clinical Standards of Care.