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Chirurgie Übersicht

Die Chirurgie rüstete ab

Die bahnbrechende Arbeit Parodis hatte das Verdienst, nun die Bauchwand, das Peritoneum, das Intestinum, retroperitoneale Lymph- und Nervenbahnen und auch die Aortenwand von der bis dahin unvermeidlichen Schädigung bei der Resektion des Bauchaortenaneurysmas zu verschonen. Inzwischen begibt man sich dort, wo es die Umstände zulassen, demütiger zum Ort des Geschehens.

Allerdings war seither der Weg der nun endovaskulären Aneurysmenausschaltung (EVAR) durchaus nicht geradlinig. Mylonas und Brunkwall (Köln) bilanzierten in ihrer Publikation „Was haben wir aus prospektiv randomisierten Studien über Aortenaneurysmen gelernt?“ in Gefässchirurgie 2018, 23:331-339: „Aufgrund der Verfeinerung der chirurgischen Techniken, der anästhesiologischen Abläufe und des perioperativen Monitorings hat die 30-Tage-Mortalität mittlerweile 3% unterschritten *). Volodos et al. führten zwar die erste endovaskuläre aortale Stentimplantation im Jahr 1987 durch, aber Parodi et al. ernteten die Lorbeeren für die Pionierarbeit und die Verbreitung der endovaskulären Technik in den frühen 90er Jahren. Obwohl die Publikation von Parodi  initial stark kritisiert wurde und die EVAR zunächst als gescheitertes Experiment betrachtet wurde, hat diese Methode doch in den folgenden Jahrzehnten eine starke Verbreitung erfahren und gilt nun als ein Hauptpfeiler bei der Behandlung des BAA.“

*) Aktualisierte Daten von Czerny und Beyersdorf (Bad Krozingen/Freiburg) im DÄ 48- 2020/Editorial: „Aktuell werden circa 80% aller Patienten mit einem BAA mit einer endovaskulären Aneurysmareparatur (EVAR) behandelt. Im Vergleich zur offenen Operation eines BAA (OAR) ist die 30-Tages-Letalität bei EVAR statistisch signifikant niedriger (1,2 versus 3,3 %).

Machen endovaskuläre und minimal-invasive Prozeduren in den Händen der Interventionalisten den Chirurgen dann auch einmal gänzlich überflüssig?

Auf Unterstützung von hoher Stelle mag der sich jedenfalls kaum noch verlassen: in der Präsidentenrede zum 135. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie im April 2018 sagte Professor Jörg Fuchs aus Tübingen: „Die moderne Chirurgie ist weit mehr bestrebt, zu erhalten als zu zerstören. Man hat eingesehen, daß es weniger wichtig ist, neue Operationen oder Operationsmethoden zu erfinden, als Mittel und Wege aufzusuchen, um Operationen zu vermeiden, oder, wo sie unvermeidbar sind, ihre Erfolge zu sichern.“

Soeben wollte man aufatmen, da verriet Fuchs, daß er hier Bernhard von Langenbeck aus dem Jahre 1872 -ebenfalls in Berlin- zitierte. Bis zu Volodos und Parodis intraluminalem Graft vergingen weitere 118 Jahre. (hn)

Das Gesundheitssystem ist kein Markt

schreibt der Chefredakteur des Deutschen Ärztblattes Egbert Maibach-Nagel im Editorial der Ausgabe 2019; 116 (29-30). Weiter heißt es: „Es wurde als Solidarsystem konzipiert. Die gesetzliche Krankenversicherung ist nicht für das Prinzip von Angebot und Nachfrage gebaut. Kommerz, Privatisierung, Gewinnmaximierung, Wettbewerb oder Wachstum eigenen sich nicht als Treibstoff für die Gesundheitsversorgung. Sie gefährden das System, zerstören Gesundheit, kosten letztlich Menschenleben. Ein Gesundheitssystem kostet, sinnbehaftet bietet es keinen Raum für Profit. Pragmatismus und Wirtschaftlichkeit sind hier notwendige Grundsätze, aber keine kapitalistischen Instrumentarien für pekuniäre Gewinnabschöpfung.“ Der Artikel zielt auf die Diskussion um die Finanzierung der Homöopathie aus dem Solidarsystem, gilt aber nicht weniger für andere Versuche, Staat und Gesellschaft für zünftige Ertragskonzepte und private Interessen zu belasten.